Sonntag, 6. September 2020

Im Hühnerhospiz

Wir haben schwierige Wochen auf unserem Hühnerhof hinter uns.
Mariechen ist zur Zeit ein Pflegefall. Sie ist an einem Virus erkrankt, blind und gelähmt.
Die Lähmung wird vorbei gehen, wenn sie die nächsten Wochen übersteht. Im Augenblick ist sie aber trotz allem so munter, dass wir vorsichtig optimistisch sind, dass sie das schafft.

Mir ist bewusst, dass die Bilder eines blinden und gelähmten Huhns verstörend sein können. Aber Mariechen hat gute Chancen, wieder Laufen zu können, und mit ihrer Blindheit, die bleiben wird, kann sie dann gut leben. Das ist nicht so ungewöhnlich bei Hühnern.
Wir müssen nur diese etwas schwierigen Wochen der Lähmung überstehen. Das sind normalerweise ca. 6 Wochen. Sehr lang, aber nicht endlos. 
Ellen hat uns einen Hühner-Rollstuhl ausgeliehen, in dem Mariechen zwischendrin immer mal sitzt.

Und dann sind in dieser Woche auch noch Nina und Klementinchen gestorben.
Nina hatte Leukose-Tumore im Bauch, die so viele ehemalige Legehennen haben.
Ihr ging es in ihren letzten Tagen elend, so dass wir sie am Montag einschläfern lassen mussten.
Und am Freitag Morgen ist Klementinchen gestorben. Ganz schnell, offenbar an einem Herzanfall.
Ihr ging es bis zum Abend davor immer gut.

Nachdem wir vor einer Woche auch unsere liebe Katze Kira mit 17 Jahren gehen lassen mussten, die einen Nierentumor hatte und der es zum Schluss auch schlecht ging, sind wir im Augenblick ziemlich bedient von Krankheit und Tod. 

Klementinchen war immerhin unser 7. Huhn, das in diesem Jahr gestorben ist, und uns geht jeder Tod auch nah, weil wir jedes Huhn gern haben.
Wir haben nach ihrem Tod überlegt, ob wir aufhören wollen mit den Rettungshühnern, die nach der Legefabrik keine lange Lebenserwartung mehr haben und später oft so viel Leiden und Krankheiten aushalten müssen, wenn sie nicht gleich nach der Fabrik geschlachtet werden.

Wir haben uns dann doch dagegen entschieden und beschlossen, dass wir jetzt halt ein Hühnerhospiz sind. Das macht es leichter, die Situation mit den Krankheiten und dem Sterben hinzunehmen.
Klementinchen hatte immerhin 1 Jahr und 8 Monate eine gute Zeit bei uns. Also mehr als die Hälfte ihres Lebens. Und Nina immerhin 1 Jahr und 3 Monate. Klementinchen war nie krank in der Zeit und Nina erst in der letzten Zeit.  
In diesen Monaten hatten wir viel Freude mit ihnen und es ging ihnen gut. Das wiegt für uns am Ende schwerer als die bittere Zeit zum Schluss.


8 Kommentare:

  1. Oh nein, wie traurig für Euch alle. Ich bewundere immer, wie viel Energie, Zeit und Geld Ihr in die HÜhner investiert, um ihnen eine lebenswerte Zeit - wie lange die auch immer währen mag - zu ermöglichen. Und ich bin ganz sicher, dass Ihr empathisch genug seid, den richtigen Zeitpunkt zu finden, sie gehen zu lassen.
    Ich drücke Mariechen ganz fest die Daumen, dass es ihr bald wieder besser gehen möge. Und wenn ich die anderen Damen sehe, insbesondere Ulrike und Tabby, weiß ich, dass sich Euer Engagement lohnt.

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    1. Liebe Claudia,
      wir haben ja auch viel schönen und normalen Alltag mit den Hühnern. Es ist wahrscheinlich viel weniger Zeit und Pflege als Du vermutest. Die meiste Zeit sind sie ja allein im Revier unterwegs.
      Und sie sind wirklich niedlich. Vor allem Ulrike, unser kleiner Emu, ist so drollig und zutraulich. Die fliegt mir auf den Schoß oder auf die Rückenlehne des Campingstuhls, der im Revier steht, wenn ich darauf sitze. Das ist so putzig.
      Diese wuseligen Federbüschel sind einfach liebenswert.
      Das gleicht die Mühe aus, wenn sie mal krank sind und Pflege brauchen.
      Viele Grüße
      Jeannette

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  2. Liebe Jeanette,

    es tut mir sehr leid um Kira, Nina und Klementinchen! Ich kann so gut verstehen, dass man die Lust an der Hühnerhaltung und –rettung verlieren könnte, aber ist es nicht wunderschön und rührend, wenn man sie dabei beobachtet, wie sie das wahre Hühnerleben kennenlernen? Wenn sie zum ersten Mal in der Sonne baden oder das erste Gras fressen?! Und das könnten sie nicht ohne Menschen wie euch. Und „leider“ wachsen sie einem dabei ans Herz …

    Mariechen macht aber einen sehr munteren Eindruck. Ist sie die ganze Zeit eine so angenehme Patientin? Erklärst Du mir nochmal, was das für eine Krankheit ist? Ein Virus, das bevorzugt Legehybriden befällt?

    Ich wünsche euch einen gesunden Herbst!

    Viele Grüße

    Nicole

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    1. Liebe Nicole,
      das ist eine Variante des Herpesvirus, die nicht nur Legehybriden, sondern alle Hühner befallen kann.
      Die Hühner werden zwar als Küken zu Tausenden geimpft, aber das funktioniert nicht immer.
      Wie bei vielen anderen Krankheiten, interessiert das kaum, weil die Legefabrik-Hühner geschlachtet werden bevor sie erkranken könnten.
      In der Tierklinik sagte man mir, dass der Virus auch über andere Vögel draußen übertragen werden könne.

      Ja, Mariechen ist wirklich verblüffend gut drauf. Eine sehr angenehme und unkomplizierte Patientin. Ich wundere mich darüber, wie munter sie ist. Sie frisst wie ein kleiner Scheunendrescher und auch die Verdauung klappt einwandfrei.
      Sie ist ganz sicher noch nicht über den Berg, aber ich freue mich jeden Morgen, wenn ich sie aus dem Schlafnest nach draußen bringe und sie sich gleich ausgehungert den Kropf vollpackt. :-) (Obwohl sie abends auch noch immer eine "Nachtmahlzeit" bekommt.)

      Viele Grüße
      Jeannette

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  3. Ah, Marek! Ich dachte, Hühner in dem Alter bekommen das höchstens symptomlos ... Ist das jetzt ein Problem für Deine Hühnerhaltung, weil die Krankheit meldepflichtig ist? Könnte man erwachsene Hühner auch noch impfen? (Aber da sie als Küken ja geimpft wurden, bringt das ja wahrscheinlich nichts.)

    Wenn die Hühner einen guten Appetit haben, geht es mir auch immer gut. Daisy, eine RdH-Henne aus dem letzten Jahr, hat derzeit ihre dritte Kropfentzündung in diesem Sommer. Sie mag dann überhaupt nix fressen und wird mehrmals am Tag zwangsernährt (die letzte ging über vier Wochen). Es ist soo schön, wenn sie dann endlich wieder frisst und sie uns vor lauter Begeisterung anspringt, weil wir ein paar Sonnenblumenkerne dabei haben!

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Nein, das ist kein Problem. Die Krankheit ist meldepflichtig, aber nicht anzeigepflichtig.
      Ich habe das in der Klinik besprochen.
      Weil es ein Virus ist, wird in klassischen Hühnerforen manchmal empfohlen, alle Tiere zu "keulen".
      Aber in der Klinik sagten sie mir, dass die Hühner das überall bekommen können. Und wie beim Herpesvirus beim Menschen, tragen die meisten das Virus in sich, aber es bricht nur bei wenigen aus.
      Und impfen kann man sie leider nicht mehr.

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  4. Hallo Jeanette,
    ich bin froh, dass es solche Menschen wie euch gibt und lese deine Beiträge super gerne.

    Toll, dass ihr trotz allem weiter macht - die Hühner danken euch für jeden glücklichen Tag an den sie sich erinnern können.

    Liebe Grüße Stephanie

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