Seit zwei Tagen herrscht bei uns Stallpflicht, weil die Vogelgrippe in Norddeutschland ausgebrochen ist.
Das bedeutet, dass die Hühner nicht mehr im offenen Gelände laufen dürfen, sondern nur noch in Räumen, die nach oben geschlossen sind und zu den Seiten so abgedichtet, dass es keinen Kontakt zu Wildvögeln geben kann.
Wir haben ja zum Glück schon die Voliere am Stall, in die sie gehen können.
Und dazu haben wir noch einen Pavillon an die Voliere angebaut, so dass sie etwas mehr
Platz haben.
Mindestens bis Ende Januar 2021 ist jetzt Stallpflicht. Eine lange Zeit,
aber wir versuchen, es den Hühnern so erträglich wie möglich zu machen.
In Schleswig-Holstein sind wieder junge Hühner vor der Einstallung aussortiert worden, weil sie zu schwach oder verletzt waren. "Normalerweise" würden sie sofort getötet, aber dieser Bauer gibt die schwachen Tiere an "Rettet-das-Huhn" ab.
11 davon sind heute mit einer Transportkette Richtung Hannover gefahren. Ich habe sie in Hamburg übernommen. Vier sind bei uns eingezogen: Vivi, Wilma, Xenia und Ylva.
Alle sind unterschiedlich leicht gehbehindert, aber sehr niedlich. Wir freuen uns, dass sie zu uns kommen und hoffen, dass sie im Laufe der Zeit kräftiger werden und besser laufen können.
Wenn es kalt wird, und im Garten kaum noch etwas blüht, beginnt für unsere Hühner die Gartensaison. Im Winterhalbjahr dürfen sie immer gegen Abend noch eine Stunde da herumtoben. Das finden sie äußerst spannend.
Aus Queenie und Olivia, die im Frühling operiert wurden, weil sie so krank waren, sind dicke und muntere Hühner geworden. Auch Sophie, der wir vor zwei Monaten einen Hormonchip setzen ließen, hat seitdem ein richtig tolles Gefieder bekommen. Der Hormonchip verhindert die Eiproduktion, er wirkt nur zwei oder drei Monate, danach legt sie wieder ganz normal Eier. Aber in der Zeit kann sich der kleine Körper von dem Dauerlegestress erholen und ein "normal befiedertes Huhn" werden.
Ulrikchen, die keinen Schwanz hat, ist übrigens keineswegs behindert. Sie ist so geboren und putzmunter. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass sie schwanzlos ist, ist es sogar richtig niedlich. Wie ein kleiner Emu. Es gibt übrigens auch schwanzlose Hühnerrassen, z.B. Araucana-Hühner. Ulrikchen, die gerne im Galopp unterwegs ist und dazu sehr anhänglich, ist uns jedenfalls besonders ans Herz gewachsen.
Unser Mariechen hat es leider nicht geschafft. Nachdem es lange sehr gut aussah, und sie auch wieder auf den Beinen war, gab es vor zwei Tagen plötzlich einen Einbruch. Sie wurde schwächer, mochte nicht mehr richtig fressen, und wir konnten auch sehen, dass es ihr nicht gut ging. Das wurde gestern so schlimm, dass wir sie gehen lassen mussten. Ich bin sehr traurig, weil sie auf so einem guten Weg war und ich hoffte, dass sie noch ein paar schöne Monate haben würde. Nun ist es anders gekommen.
Mariechen gestern:
Und so war sie, als sie in ihrer ersten Zeit bei uns, Anfang 2019, noch immer wild herumraste.
Dafür, dass diese armen Hühner noch Monate oder sogar ein/zwei Jahre so herumrennen können, lohnt es sich. Auch wenn wir viel zu oft Abschied nehmen müssen.
Mariechen übt fleißig im "Reha-Zentrum" das Laufen. Schritt für Schritt arbeitet sie sich zurück ins Hühnerleben. Wir freuen uns riesig, wenn wir ihre Fortschritte sehen.
Fast auf den Tag genau nach zwei Monaten ist Mariechen heute zum ersten Mal wieder aufgestanden. Wir freuen uns wie wild, dass sie ihre Lähmung tatsächlich überwindet. So ein schöner Tag!
Unsere Hühner mausern zur Zeit. Sie sehen zerrupft aus, und in Stall und Revier fliegen die Federn. In ein paar Wochen ist das Gefieder dann bei allen wieder schön und komplett.
Mariechen kann leider noch nicht wieder laufen. Aber sie ist nach wie vor munter, frisst und trinkt mit Vergnügen, so dass wir optimistisch sind, dass sie bald wieder auf die Beine kommt. Es gab Hühner, die erst nach drei Monaten wieder losgelaufen sind. Da haben wir noch viel Zeit zum Hoffen.
Heute hatte sie sich aus Versehen beim Herumräkeln in ihren Wassernapf gelegt und eine nasse Brust bekommen. Die habe ich ihr drinnen getrocknet und ihr ein bisschen Rotlicht spendiert. Das mochte sie offenbar sehr gerne.
Nach dem Rotlicht, dem Futter, dem Wasser, dem Putzen und dem Nickerchen ist sie jetzt wieder bei den anderen im Hühnerrevier.
Wir haben schwierige Wochen auf unserem Hühnerhof
hinter uns.
Mariechen ist zur Zeit ein Pflegefall. Sie ist an einem
Virus erkrankt, blind und gelähmt.
Die Lähmung wird vorbei gehen, wenn sie die nächsten Wochen
übersteht. Im Augenblick ist sie aber trotz allem so munter, dass wir vorsichtig
optimistisch sind, dass sie das schafft.
Mir ist bewusst, dass die Bilder eines blinden und gelähmten
Huhns verstörend sein können. Aber Mariechen hat gute Chancen, wieder Laufen zu
können, und mit ihrer Blindheit, die bleiben wird, kann sie dann gut leben. Das ist nicht so
ungewöhnlich bei Hühnern.
Wir müssen nur diese etwas schwierigen Wochen der Lähmung überstehen. Das sind
normalerweise ca. 6 Wochen. Sehr lang, aber nicht endlos.
Ellen hat uns einen Hühner-Rollstuhl ausgeliehen, in dem Mariechen zwischendrin immer mal sitzt.
Und dann sind in dieser Woche auch noch Nina und
Klementinchen gestorben.
Nina hatte Leukose-Tumore im Bauch, die so viele
ehemalige Legehennen haben.
Ihr ging es in ihren letzten Tagen elend, so dass wir sie am
Montag einschläfern lassen mussten.
Und am Freitag Morgen ist Klementinchen gestorben. Ganz
schnell, offenbar an einem Herzanfall.
Ihr ging es bis zum Abend davor immer gut.
Nachdem wir vor einer Woche auch unsere liebe Katze Kira mit
17 Jahren gehen lassen mussten, die einen Nierentumor hatte und der es zum
Schluss auch schlecht ging, sind wir im Augenblick ziemlich bedient von
Krankheit und Tod.
Klementinchen war immerhin unser 7. Huhn, das in diesem
Jahr gestorben ist, und uns geht jeder Tod auch nah, weil wir jedes Huhn gern
haben.
Wir haben nach ihrem Tod überlegt, ob wir aufhören wollen
mit den Rettungshühnern, die nach der Legefabrik keine lange Lebenserwartung mehr haben und später oft so viel Leiden und Krankheiten aushalten
müssen, wenn sie nicht gleich nach der Fabrik geschlachtet werden.
Wir haben uns dann doch dagegen entschieden und beschlossen,
dass wir jetzt halt ein Hühnerhospiz sind. Das macht es leichter, die Situation
mit den Krankheiten und dem Sterben hinzunehmen.
Klementinchen hatte immerhin 1 Jahr und 8 Monate eine gute
Zeit bei uns. Also mehr als die Hälfte ihres Lebens. Und Nina immerhin 1 Jahr
und 3 Monate. Klementinchen war nie krank in der Zeit und Nina erst in der
letzten Zeit.
In diesen Monaten hatten wir viel Freude mit ihnen und es ging ihnen gut. Das
wiegt für uns am Ende schwerer als die bittere Zeit zum Schluss.
Mariechen ist gestern über Nacht erblindet.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich kapiert habe, warum sie nicht von der Stange und aus dem Stall kommen will. Sie saß einfach da und jammerte vor sich hin.
Dann habe ich sie mit viel Trick und Überredung draußen zum Trinken und
Picken gebracht. Da war ich schon froh, dass sie endlich ordentlich
Wasser getrunken hat bei der Hitze.
Jetzt habe ich ihr ein schattiges Mini-Areal bei den anderen
abgesteckt. Da findet sie leicht Futter und Wasser. Ich habe ordentlich
Körner verstreut. Außerdem kann sie sich etwas an die neue Situation
gewöhnen, ist aber nicht allein. Ich will sehen, wie sich das weiter
entwickelt. Hoffentlich kommt sie klar.
Leider ist auch das eine Erkrankung, die bei den ehemaligen Legefabrik-Hennen nicht selten ist. Manchmal kommen die Hühner mit der Veränderung ganz gut zurecht. Andere haben es schwerer, und manche ziehen in Gruppen von erblindeten Hühnern um.
Ich hoffe, dass sich Mariechen an die neue Situation gewöhnen kann. Ich will versuchen, ihr mit der Zeit immer größere Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, in der sie aber trotzdem genug Futter und Wasser findet.
Das Mini-Revier ist nur zum Angewöhnen. Da liegt so viel Futter, dass sie auf jeden Fall etwas findet, egal wo sie pickt.
32°. Die Hühner wissen, was ihnen gut tut. Auch unsere Youngster. Sie verbringen den Tag im Schatten der alten Rhododendron-Büsche. Ich bin immer froh, dass im Hühnerrevier so viele Büsche und Bäume sind, die Schatten und Schutz spenden. Die Hühner wissen es sichtlich zu schätzen.
Unsere beiden Junghühner und die operierte Queenie haben ja eine Weile
separiert von den anderen gelebt. Sie sind dabei ein schönes Trio geworden. Jetzt war es an der Zeit, dass sie ins
Hühnerrevier umziehen.
Das Problem dabei ist die Hackordnung. Die lässt sich leider nicht umgehen. Wer
immer neu ins Hühnerrevier einzieht, wird auf seinen Platz in der
Hackordnung gewiesen. Und das geht mit Hacken und Scheuchen.
Leider lässt sich das mit keinem Trick oder Kniff vermeiden. Da müssen die Neuen durch. Das ist für uns immer eine blöde Zeit, weil uns die gepiesackten Hühner wirklich leid tun. Aber helfen können wir nicht. Wir achten nur immer auf, dass es keine ernsteren Verletzungen gibt.
Das sieht auch für unsere Augen schlimmer aus als es für die Hühner ist. Die haben die Hackordnung in den Genen und finden das völlig normal und wohl nicht so dramatisch.
Die Neuen haben wir heute Nacht in den Stall gesetzt, dann wachen die
Alten und Neuen morgens schon zusammen auf.
Und dann muss man nur noch sehen, dass die Neuen immer genug Platz
haben, um zu flüchten, wenn sie zu dolle gescheucht oder gehackt werden.
Bei unseren Dreien hat es eigentlich ganz gut geklappt. Es hätte schlimmer kommen können. Sie haben sich jetzt schon nach einem Tag gut eingelebt im neuen Revier.
Und spätestens nach ein paar Wochen ist ohnehin die Rangfolge in der Hühnerschar geklärt und dann werden sie
alle friedlich zusammenleben.
Als Queenie im Dezember zu uns kam, war sie ziemlich kahl und zerzaust. Als sie das erste Mal bei der Tierärztin war, sagte die: "Was ist das denn für ein zerrupftes Wesen?!"
Und dann hatte sie im April noch das große Schichtei im Bauch, das ihr herausoperiert werden musste. Ein wirklich schwieriger Start für die Kleine!
Aber sie hat sich herausgemacht. Und wie! In den letzten beiden Monaten ist aus ihr ein bildschönes Huhn geworden. Und wir sind heilfroh, dass die Süße noch bei uns ist!!